„Breitband ist für unsere Orte die Lebensader der Zukunft“
Laubach-Ruppertsburg (dun/gdun/du). „Wer es in den nächsten drei bis fünf Jahren nicht schafft, sein gesamtes Gemeindegebiet mit schnellem Internet zu versorgen, hat im Standort-Wettbewerb verloren“. In dieser Aussage von Stefan Becker (Fernwald) waren sich am Montag abend nach einer 90minütigen Infoveranstaltung der Freien Wähler im Feuerwehr-Schulungsraum alle der rund 30 Anwesenden einig. Der frühere Erste Kreisbeigeordnete des Landkreises war als Vertreter der Firmen Lück (Lich-Langsdorf) und Weimar (Lahnau) gekommen, um über die derzeit mit Hochdruck verfolgte gemeinsame Strategie der beiden Firmen mit dem Landkreis berichten, den Breitbandausbau im Giessener Land zu forcieren.
Die Veranstaltung, zu der FW-Vorsitzender Joachim Kühn und Ortsvorsteher Artur Niesner die Gäste begrüßt hatten, gehört zur Reihe der Infotermine der Freien Wähler zur Kommunalwahl am 27. März. Unter dem Leitmotiv „Unser Laubach – unsere Zukunft“ lädt man derzeit in jedem Laubacher Ortsteil zu einem anderen, aktuellen Sachthema ein, um meist mit externen Referenten die Zukunftsfragen des künftigen Lebens auf dem Land zu diskutieren.
Deutlich spürbar war am Montag, dass der Breitbandausbau in Ruppertsburg wie auch in anderen Dörfern der Großgemeinde ein brennendes Thema ist und die Menschen interessiert. „80 Prozent des Landkreises verfügt derzeit keine schnelle, dem Standard entsprechende Internetverbindung“, berichtete Becker aus der Erhebung des Giessener Landes. Die heimischen Firmen Lück und Weimar – seit vielen Jahren in diesem Metier m Geschäft – gründen derzeit mit dem Kreis die Breitband Gießen GmbH (BBG). Städte und Gemeinden, die das wollen, können über eine zweite Gesellschaft Teilhaber an der BBG werden und den Breitbandausbau in ihren Orten über sie erledigen. In Laubach entscheiden die Stadtverordneten am Donnerstag darüber. Zuschüsse müssen Städte und Gemeinden an die BBG zahlen für den Teil des Netzausbaus in einem Ortsteil, das „nicht rentierlich“ ist. Errechnet werde dies, so Becker, für jedes Projekt, jeden Ortsteil, jedes Gewerbe- oder Baugebiet separat.
Zwei entscheidende Vorteile sprechen laut Becker für dieses Modell: Erstens gehört das aufzubauende Netz dauerhaft der BBG und damit zu 49 Prozent auch den an ihr beteiligten Kommunen. Und dadurch, dass die BBG langfristige Mietverträge mit der Telekom haben wird – Vorteil Nummer zwei -, kann beim flächendeckenden Netzausbau auf das vorhandene Telekom-Netz zurückgegriffen, muss nicht alles komplett neu und parallel erstellt werden (wie derzeit etwa im Odenwald). Und: Ist das Netz dann von der BBG erstellt, mietet es die Telekom verbindlich und komplett für den gesamten Landkreis zurück – und beschert der BBG langfristige Mieteinnahmen. Der Netzausbau refinanziert sich dadurch für die BBG zu einem großen Teil. Kommen später gar weitere „Carrier“ wie UnityMedia oder 1&1 hinzu, reduziert sich der Zuschussbedarf immer weiter, könnte es sogar sein, dass das Netz einmal Gewinne abwirft.
In der ausführlichen Diskussion wurde deutlich, dass Funk- oder Satellitenlösungen zwar kurzfristig realisierbar sind, durchaus auch für weitentfernte Objekte wie Aussiedlerhöfe ein Weg sein könnten. wegen Kapazitätsbegrenzung und Netzsicherheit (z.B. durch Witterungseinflüsse) aber keine dauerhafte Alternative zum Glasfaserkabel darstellen Auch berichtete Bürgermeister Klug über laufende Gespräche mit dem Kabel-TV-Netz-Betreiber UnityMedia, der derzeit günstig für Rabenau, Teile von Grünberg sowie Lauter, die Kernstadt und Gonterskirchen Breitbandausbau anbiete. Dass solche Modelle für eine Kommune durchaus mit dem Modell der BBG kombinierbar seinen, da man ortsteil-bezogen vorgehen werde, machte Becker abschließend deutlich.
Während Günther Semmler kurz aus der aktuellen Arbeit im Kreistag und Stadtparlament berichtete, stellte Dr. Ulf Häbel, Spitzenkandidat der Freien Wähler fürs Stadtparlament, das Wahlprogramm der FW in Thesen vor. Tenor: „Hören, was die Menschen wirklich wollen, wo ihre Bedürfnisse liegen, sie aktiv einbinden in die Zukunftsgestaltung und die Eigeninitiative in den Dörfern stärken“. FW-Vorsitzender Joachim Kühn machte abschließend das Ziel der FW für die Kommunalwahl deutlich: „Wir möchten, dass Peter Klug künftig eine Mehrheit im Stadtparlament hat, um als direkt gewählter Bürgermeister seine Ideen auch umsetzen zu können.“ Weitere Infos, darunter auch die DSL-Gutachten über Laubach und den Kreis, unter www.fw-laubach.de

