Infoveranstaltung Münster
Laubach-Münster/Gonterskirchen (-). Themen zur Zukunft des Lebens auf dem Land stoßen bei den Menschen derzeit auf unerwartet großes Interesse. Bei den Info-Veranstaltungen zur Kommunalwahl, zu denen die Freien Wähler derzeit in allen Orten der Großgemeinde einladen, sind die Räume stets voll besetzt, diskutieren jeweils zwischen 30 und 60 Bürgerinnen und Bürger mit externen Fachleuten und den Kandidaten der FW zu unterschiedlichen aktuellen Themen.
So auch kürzlich im vollbesetzten kleinen Saal im Dorfgemeinschaftshaus Münster. Dorthin hatten Ortsvorsteher Heinz-Wilhelm Schnabel und sein Team für die Ortsbeiratswahl eingeladen, um mit den Anwesenden das Thema "Nahversorgung im ländlichen Raum" zu diskutieren. Als Referentin konnten die Freien Wähler mit Annemie Koepke eine ausgewiesene Expertin zu diesem Thema aufbieten, betreibt sie doch schon viele Jahre den „Nahkauf-Einzelhandel“ in der Ortsdurchfahrt Münster. Standhaft, trotz der wachsenden Konkurrenz der Supermärkte und Discounter in dieser Branche auf der „grünen Wiese“ auch im Laubacher Raum. Doch das gelingt ihr nur durch einen unermüdlichen Einsatz und einem 15 Stunden-Arbeitstag, der um 3 Uhr morgens mit dem Herstellen des Frühstücksangebots für die Berufspendler beginnt. Der Service hat sich herumgesprochen: Schon früh morgens ab 5 Uhr gibt es frische Brötchen und Kaffee bei Frau Koepke. "Diese Einkaufsmöglichkeit müssen wir erhalten", so der einhellige Tenor der Anwesenden. Dazu gelte es auch, aktuelle Verkehrs- bzw. Parkprobleme zu lösen, aufgrund derer ein Nachbar der Ladenbesitzerin seit einiger Zeit das Leben schwerzumachen versucht. Doch in Münster ist man froh, noch einen derart gut geführten Laden zu haben, für dessen Erhalt man unbedingt einstehen will.
Anderenorts haben viele Einzelhändler auf dem Land schon aufgeben müssen. Dass es Alternativen gibt, hat in Münster Prof. Dr. Wolfgang George aufgezeigt. Der ausgewiesene Experte für Versorgungsstrukturen der Fachhochschule Gießen-Friedberg ist Spezialist auf dem Feld privat initiierter Genossenschaften. In einem lebhaften Impulsreferat zeigte er Möglichkeiten einer genossenschaftlich organisierten Nahversorgung auf. Eine Alternative, über die es sich lohnt, nachzudenken, wenn Läden bereits geschlossen sind oder vor der Schließung stehen. In großer Offenheit diskutierten die Gäste in Münster die Rahmenbedigungen und Erwartungen für eine Versorgung im ländlichen Raum.
Ideen und Gedanken, von denen sich die Freien Wähler in ihrer künftigen politischen Arbeit ebenso leiten lassen wollen wie jenen, die am Montag im Sportlerheim Gonterskirchen im Mittelpunkt standen. Dort diskutierten rund 40 Gäste mit den örtlichen FW-Ortsbeiratskandidaten um Ralf Gottwals und dem FW-Spitzenkandidat für die Stadtverordnetenwahl, Dr. Ulf Häbel, über die Zukunft von Kindern und Jugendlichen im Dorf. Als externe Expertin begrüßte man Barbara Muthmann, die Leiterin der evangelischen Jena-Plan-Grundschule Freienseen. Nach einführenden Worten und Bildern von Hans-Walter Parr berichtete sie über die heutige Situation von Kindern. Selbst im geschützten Raum eines Dorfes könnten Kinder ihre Kindheit vielfach nicht mehr unbeschwert ausleben, sich austesten, ihre Grenzen erleben und erfahren, einfach spielerisch mit anderen gemeinsam groß werden. Zunehmender Termin- und Leistungsdruck, Ablenkung durch Fernsehen und Computer oder Ängste von Eltern angesichts von Missbrauchsfällen sorgten dafür, dass zum Beispiel ausgedehntes Spielen im Wald oft kaum mehr möglich sei. „Was tun für die Zukunft der Kinder und Jugendlichen in unseren Dörfern und der Kernstadt, im ländlichen Raum?“, fragte Moderator Joachim M. Kühn in die engagierte Diskussionsrunde. „Eltern sollten sich wieder mehr Zeit nehmen für ihre Kinder, ihnen mehr zuhören, mit ihnen diskutieren und ihnen Vertrauen schenken“, machte Andreas Straka deutlich. Andere wie Hans-Peter Lindner regten an, sich ehrenamtlich mit Kindern zu engagieren, etwa durch freiwillige Arbeitseinsätze von Rentnern im Kindergarten, wie er es kürzlich einmal einige Wochen lang gemacht habe. Und was kann die Laubacher Politik davon lernen, mitnehmen in ihren Alltag? „Wir sollten nicht über die Kinder und Jugendlichen reden, sondern mit ihnen. Wir sollten rauskriegen, wo genau Kinder sind im Dorf und hingehen, schauen, wo sie sich gerne aufhalten, was sie gerne hätten und brauchen, was ihnen wirklich Spaß macht“, schlug Ulf Häbel vor. „Nah bei den Menschen sein, ob bei jungen oder älteren“, das wollen die Freien Wähler auch in den kommenden Jahren in Gonterskirchen und der Großgemeinde praktizieren, war der Tenor eines weiteren gelungenen Themenabends zur Kommunalwahl am 27. März. Weitere Infos unter www.fw-laubach.de.

Barbara Muthmann, die Leiterin der Grundschule Freienseen, diskutierte in Gonterskirchen über die Situation von Kindern und Jugendlichen auf dem Land mit FW-Vorsitzendem Joachim M. Kühn (links), Dr. Ulf Häbel (rechts) und 40 Besuchern des Infoabends zur Kommunalwahl.

