Zukunft des Kindergartens in Lauter
Laubach (-). „Bitte haben Sie keine Sorge, der Kindergarten in Lauter wird entgegen aktueller Befürchtungen nicht geschlossen.“ Dies war die sicher wichtigste Aussage von Elke Bär, der Leiterin der Laubacher Kindertagesstätten, kürzlich bei der Info-Veranstaltung der Freien Wähler (FW) zur Kommunalwahl am 27. März. Orts- und Stadtverband der FW hatten zur siebten themenbezogenen Ortsteil-Veranstaltung in den Schulungsraum der Feuerwehr eingeladen, der sich ebenfalls um ein aktuelles Thema zur Zukunft des Lebens im ländlichen Raum drehte. Ging es in den Wochen zuvor in den anderen Laubacher Orten um DSL-Versorgung, lokale Einkaufsmöglichkeiten oder das Leben auf dem Land allgemein, so stand in Lauter aus aktuellen Anlass die Frage „Wie sieht die Zukunft unseres Kindergartens aus?“ im Mittelpunkt. FW-Stadtverbandsvorsitzender Joachim Kühn begrüßte dazu Elke Bär vom Oberhessischen Diakonienzentrum Johann-Friedrich-Stift, dem Träger der Laubacher Kindergärten, Kerstin Penktner, die Leiterin des Kindergartens in Lauter, Bürgermeister Peter Klug, Kreis-Jugenddezernent Dirk Oßwald, die drei Spitzenkandidaten der FW für die Stadtveordnetenversammlung, Dr. Ulf Häbel, Günther Semmler und Anne Sussmann, sowie Hans-Peter und Hannelore Lindner, Oliver Meermann und Waltraud Leineweber, die FW-Kandidaten für den Ortsbeirat in Lauter im vollbesetzten Schulungsraum der Feuerwehr.
Elke Bär berichtete über die Hintergründe der aktuell im Ort befürchteten Schließung des Kindergartens. Die für 25 Personen ausgelegte Einrichtung weist aktuell 17 Kinder aus, von denen sieben die Einrichtung zum Sommer verlassen und vier neu hinzukommen, so dass ab dem nächsten Kindergartenjahr nur noch 14 Kinder betreut werden - für einen „normalen“ Kindergarten eine Belegung am Rand der wirtschaftlichen Vertretbarkeit, zumal sich die Kinderzahlen der kommenden Jahre noch weiter reduzieren werden. Bürgermeister Klug berichtete aktuelle demografische Zahlen: Danach gab es in Laubach im Jahr 2000 112 Neugeborene, 2010 nur noch 54. In Lauter gingen die Zahlen im gleichen Zeitraum von 12 auf 4 zurück, ebenso wie die Einwohnerzahl des Dorfes, die von 988 in 2001 auf 803 in 2010 sank. „Wir müssen dringend attraktiver für Familien werden“, appellierte der Bürgermeister, der sich etwa dafür aussprach, die Preise für die seit Jahren leerstehenden Bauplätze im größten existierenden Neubaugebiet zwischen Wetterfeld und der Kernstadt drastisch zu senken, um überhaupt noch Bauwillige in die Region zu ziehen. Auch sollte man über Renovierungszuschüsse für Käufer von Altbauten in Ortskernen nachdenken, bevor diese verfallen.
Bezüglich des Kindergartens zog Bär Parallelen zu Münster: Eine ähnliche Entwicklung hatte hier im Vorjahr bereits zur Schließung des Kindergartens geführt. In Münster war das Problem, dass eine Umwandlung der Betreuungssituation auf jüngere und ältere Kinder sowie eine Ausweitung der Betreuungszeiten – sprich: eine damit zwingend einhergehende Änderung der Betriebserlaubnis – von der Aufsichtsbehörde nicht genehmigt wurde. Bauliche Gründen, vor allem des Brandschutzes, waren das Ausschlag gebende Hintergrundsargument.
Anders in Lauter: Hier bestehe laut Bär die (räumliche) Möglichkeit, den Kindergarten auf die Betreuung sowohl unter Dreijähriger wie bis zu 14jähriger Kinder und Jugendlicher (nach der Schule) auszuweiten. Die Platzzahl würde sich damit auf maximal 15 reduzieren und das Angebot verbessern, nicht zuletzt durch die Möglichkeit der Ausweitung der Betreuungszeiten auf frühe wie auf Nachmittagsstunden inklusive einem Angebot zur Mittagsverpflegung. Eine weitere Möglichkeit – ob alternativ oder ergänzend – sei die Kooperation mit der Nachbarstadt Grünberg, die Bürgermeister Peter Klug ins Gespräch brachte. Grünberg habe angesichts noch leicht steigender Kinderzahlen einen derzeit hohen Bedarf an Betreuungsplätzen besonders für unter Dreijährige. Man könne zum Erhalt der Lauterer Einrichtung anbieten, Kinder etwa aus dem nahe gelegenen Grünberger Wohngebiet Baumgartenfeld oder dem Nachbardorf Queckborn in Lauter zu betreuen. Langfristig, so Bär, könne man – sofern das Dorf es wolle und aktiv vorantreibe – eine Vision im und um den Kindergarten entwickeln, die in Richtung eines Familienzentrums gehe und Generationen übergreifende Angebote mache – von Beratungsangeboten für junge Eltern über Seminare der Volkshochschule, Hausaufgabenbetreuung, einem Mittagstisch für Kinder und Senioren, die auch in die Betreuung aktiv eingebunden werden könnten – kurzum: eine Begegnungsstätte für Jung und Alt mitten im Dorfkern. Bär und Klug kündigten an, kurzfristig eine Arbeitsgruppe zur Zukunftsentwicklung des Kindergartens Lauter ins Leben zu rufen, in der Fachleute und interessierte Bürger mitarbeiten könnten, um die für Lauter so wichtige soziale Einrichtung auf Dauer erhalten und weiter entwickeln zu können.

